Ratgeber · Website-Relaunch
Website-Relaunch planen: die klare Checkliste für KMU.
Ein Website-Relaunch ist mehr als ein neues Design. Diese Checkliste hilft KMU, Ziele, Inhalte, Technik, SEO-Migration und den laufenden Betrieb so zu planen, dass der neue Auftritt kontrolliert livegehen kann.
1. Ziele und Erfolgskriterien vor dem Design klären
Bevor Farben, Komponenten oder technische Systeme ausgewählt werden, muss klar sein, welches Problem der Relaunch lösen soll. Eine veraltete Gestaltung kann ein sichtbarer Auslöser sein, ist aber selten das einzige Thema. Häufig sind Leistungen schwer verständlich, Zuständigkeiten unklar, Inhalte über Jahre gewachsen oder Änderungen technisch unnötig aufwendig.
Formulieren Sie wenige konkrete Ziele, die sich nach dem Livegang überprüfen lassen. Dazu können verständlichere Leistungsseiten, bessere mobile Nutzbarkeit, zuverlässigere Kontaktwege oder eine leichter pflegbare technische Basis gehören. Die Ziele sollten zu den tatsächlichen Aufgaben der Website passen – nicht zu allgemeinen Trends.
- Welche Zielgruppen sollen schneller verstehen, was das Unternehmen anbietet?
- Welche Anfragen oder nächsten Schritte soll die Website erleichtern?
- Welche technischen oder redaktionellen Probleme sollen dauerhaft entfallen?
- Wer entscheidet über Inhalte, Design, Technik und Freigaben?
2. Bestand, Inhalte und bestehende Rankings erfassen
Ein Relaunch beginnt mit einer Bestandsaufnahme. Dazu gehören alle erreichbaren Seiten, wichtige Downloads, Formulare, Weiterleitungen, Analyse-Daten und externe Verlinkungen. Ohne diese Übersicht werden beim Wechsel leicht Inhalte entfernt, die für Nutzer oder Suchmaschinen weiterhin relevant sind.
Bewerten Sie jede bestehende URL: bleibt sie erhalten, wird sie überarbeitet, mit einer anderen Seite zusammengeführt oder vollständig entfernt? Für entfallende oder geänderte Adressen wird vor dem Livegang eine eindeutige Weiterleitung geplant. Eine pauschale Weiterleitung aller alten Seiten auf die Startseite hilft weder Nutzern noch Suchmaschinen.
- URL-Liste und aktuelle Sitemap exportieren
- Seiten mit organischen Zugriffen, Backlinks oder Anfragen markieren
- Inhalte nach behalten, verbessern, zusammenführen und entfernen sortieren
- Für jede geänderte URL ein fachlich passendes Weiterleitungsziel festlegen
3. Informationsarchitektur aus Nutzerfragen entwickeln
Eine gute Seitenstruktur folgt nicht der internen Organisation, sondern den Fragen potenzieller Kunden. Welche Leistung wird gesucht? Für wen ist sie geeignet? Wie läuft die Zusammenarbeit ab? Welche Voraussetzungen, Kostenfaktoren und nächsten Schritte gibt es? Wenn diese Antworten über viele Unterseiten verteilt sind, steigt die Orientierungslast.
Planen Sie eine schlanke Hierarchie mit einer klaren Aufgabe je Seite. Leistungsseiten bedienen eine kommerzielle Suchintention. Ratgeber beantworten vertiefende Informationsfragen und verlinken nachvollziehbar auf die passende Leistung. So entstehen keine konkurrierenden Seiten für dasselbe Keyword.
4. Design und Technik gemeinsam entscheiden
Design und Technik sollten nicht nacheinander isoliert entstehen. Bereits im Konzept muss klar sein, welche Inhalte priorisiert werden, wie Komponenten auf kleinen Bildschirmen funktionieren und welche Funktionen wirklich benötigt werden. Ein visueller Entwurf ohne echte Inhalte verschiebt wichtige Entscheidungen nur nach hinten.
Technisch zählen vor allem Wartbarkeit, Sicherheit, Performance und ein nachvollziehbarer Betrieb. Das passende System hängt von Redaktion, Funktionsumfang, Integrationen und vorhandener Kompetenz ab. Ein komplexeres System ist nicht automatisch zukunftssicherer; häufig erhöht es nur den laufenden Aufwand.
5. SEO-Migration als eigenen Arbeitsbereich behandeln
SEO darf beim Website-Relaunch nicht erst kurz vor dem Livegang geprüft werden. Seitentitel, Hauptüberschriften, interne Links, Canonicals, strukturierte Daten und Statuscodes müssen zur neuen Struktur passen. Bestehende Signale werden dort erhalten, wo Inhalte und Suchintention weiterhin relevant sind.
Erstellen Sie eine Weiterleitungsmatrix und testen Sie diese vor der Veröffentlichung. Die neue Sitemap enthält nur indexierbare Zielseiten. Test- und Vorschauumgebungen dürfen nicht versehentlich indexiert werden. Nach dem Livegang werden Crawling, Indexierung und wichtige Suchanfragen in der Search Console beobachtet.
- Je Seite genau eine beschreibende H1 und ein eindeutiger Title
- Canonical-URLs auf die endgültigen HTTPS-Adressen ausrichten
- Alte URLs per 301 auf das fachlich passendste neue Ziel weiterleiten
- Interne Links, Sitemap, robots.txt und strukturierte Daten prüfen
- Unbekannte URLs mit einem echten HTTP-404 beantworten
6. Livegang und Betreuung vorbereiten
Vor dem Livegang braucht es einen klaren Testplan. Geprüft werden Inhalte, Formulare, Navigation, Tastaturbedienung, mobile Darstellung, Ladeverhalten, Datenschutz und Weiterleitungen. Für kritische Fehler sollte feststehen, wer entscheidet und wie notfalls auf den vorherigen Stand zurückgewechselt wird.
Der Relaunch endet nicht mit der Veröffentlichung. Legen Sie fest, wer Updates, Monitoring, Inhaltsänderungen und technische Fragen übernimmt. Eine Website bleibt nur dann verlässlich, wenn Zuständigkeit und Weiterentwicklung genauso geplant sind wie das initiale Projekt.
Die kompakte Relaunch-Checkliste
Ein belastbarer Relaunch verbindet geschäftliche Ziele, Nutzerfragen, Inhalte, Technik und Betrieb. Wenn einer dieser Bereiche erst am Ende auftaucht, entstehen unnötige Schleifen oder Risiken. Die folgende Reihenfolge hält Entscheidungen nachvollziehbar.
- Ziele, Zielgruppen, Verantwortliche und Freigaben festlegen
- URLs, Inhalte, Daten und technische Abhängigkeiten erfassen
- Neue Struktur und eindeutige Aufgabe jeder Seite planen
- Design mit echten Inhalten und responsiven Zuständen entwickeln
- Technik, Datenschutz, Performance und Wartbarkeit prüfen
- SEO-Migration und Weiterleitungen vollständig vorbereiten
- Livegang testen, überwachen und Betreuung verbindlich regeln